Abbot, Duncan, Elliott, Silverstone und Westland...

14. 03. 08
Autor: Josef Krings
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... von bemerkenswerten Personen und von Automobilen aus Warwick.

D Healey mit Frau und Sohn Geoffrey-SCHRIm Jahre 1945 installierte der in Cornwall am 13. Juli 1898 geborene Donald Mitchell Healey ein Unternehmen, das sich der Herstellung von Hochleistungs-Automobilen und der Design- Entwicklung und -Beratung widmen sollte, und das unter dem Namen Donald Healey Motor Company am 13. Februar 1946 in das Handelsregister eingetragen wurde. Healey-Label-EMDamals lebte Donald Healey mit seiner Familie bereits seit mindestens 1934 in Warwick, einer südlich von Coventry gelegenen Ortschaft. Die Silhouette der gleichnamigen mittelalterlichen Burganlage beherrscht dann auch neben sich einem diagonal durchziehenden Healey-Schriftzug das Label der neuen Marke. Healey-Schriftzug-EM

 

Vor diesem einschneidenden Ereignis hatte Healey bereits ein durchaus bewegtes Leben geführt. Er war im 1.Weltkrieg Pilot und Ausbilder, wurde von der eigenen Luftabwehr abgeschossen und hatte bei der Firma Sopwith Entwicklungen vorangetrieben. Heidi Hetzer ueberholt Invicta beim OGP 1993Nach Kriegsende arbeitete er als Ingenieur und Entwerfer, beteiligte sich an Vorbreitung, wie auch Einsatz von Sportfahrzeugen und gewann 1931 die Monte Carlo-Rallye auf einem 4,5 Liter Low Chassis-Invicta, nachdem er im Jahr zuvor bei der Alpen-Ralley einen zweiten Platz erzielt hatte.


D Healey im Triumph Dolomite 8-SCHREs blieb nicht aus, dass er in dieser Zeit als Fahrer, Designer und Konstrukteur einen guten Ruf erlangte und u.a. ab 1931 bei Triumph als Direktor fungierte. Unter seiner Leitung entstanden dort sportliche Autos, wie z.B. der 1100er Southern Cross und der Dolomite 8 mit einem 2 Liter-Motor, der das Fahrzeug immerhin fast 160km/h schnell machte. Für die Dauer des 2. Weltkrieges war Healey im Auftrag der Regierung bei Humber mit konstruktiven Aufgaben für Fahrzeuge und Zubehör betraut.


Westland in Maastricht 2011Vor der Gründung einer eigenen Firma in Warwick hatte er sich der Mitarbeit angesehener Techniker versichert. Genannt werden müssen Victor Riley, der Motoren, Getriebe und Hinterachsen beisteuerte, Achille „Sammy" Sampietro, der die Chassis-Konstruktion verantwortete und Ben Bowden als Formgestalter. 1949 kam der 1922 in Perranport/Cornwall geborene Sohn Geoffrey ins Team; er war zuvor bei Armstrong-Siddeley als Entwicklungsingenieur tätig gewesen.


Westland FrontansichtIm Jahre 1946 erschien das erste, aus dieser Zusammenarbeit entstandene Fahrzeug, der Westland, ein Tourer mit einfachem Verdeck. Entwurf und Produktion sollen in einem von der Royal Air Force verlassenen Hangar an der Miller Road in Warwick entstanden sein. Gewiß stellte Healey die Fahrzeuge alsbald in einem zum Verkaufsraum umgestalteten Kinosaal an der Emscote Road aus. DenWestland - Cockpit-WP Gebäudebestand riss man in der Zwischenzeit ab; dennoch erinnert der neu vergebene Name „Healey Court" an den ehemaligen Bürger von Warwick. Außerdem wurden die Fahrzeuge in Europa ausgestellt, denn Roger Menadue brachte die Healey-Autos zu allen wichtigen Automobil-Messen. Das geschah dann in der Regel auf eigener Achse, und nach jeder Anfahrt hatte er die fahrbaren Untersätze wieder so herzurichten, dass sie von ihm und Donald Healey in exzellentem Zustand dem Publikum präsentiert werden konnten.


Healey-ChassisVom Westland produzierte und verkaufte die Firma zwischen 1946 und 1950 etwas mehr als 60 Exemplare. Er wies zunächst das sog. A-Chassis auf, das in Warwick geplant und gebaut wurde. Dieser Chassis-Typ kennzeichnet mit geringen Abweichungen alle Healey-Modelle über B- bis hin zum F-Chassis.

Healey-Aufhaengung-HCEs bestand aus seitlichen Kastenprofilen mit Kreuzverstrebungen. Diese Konstruktion war ein Healey-Patent, ebenso die unabhängige Vorderradaufhängung. Die starre Hinterachse stammte, wie auch der 2,4 Liter-Vierzylinder mit einer Leistung von in der Regel 104PS von Riley. Die Hinterachse war jedoch anders und effektiver geführt als es bei den Fahrzeugen aus der Riley-Fabrik.


Elliott und A-ChassisWährend die Chassis also ausschließlich aus Warwick kamen, entstanden die Aufbauten nach den Vorgaben aus der Healey-Manufaktur bei verschiedenen Firmen als Rahmen aus Eschenholz über den man eine wohlgeformte Hülle aus Aluminium spannte. Cockpit eines Abbot-EMDas geschah beim Westland-Tourer bei der Westland Aero Company, für das Gewand der Elliott-Limousine sorgte man bei Elliott and Company. Die geschlossene Version entstand in einer Stückzahl von wohl 104, während bei Abbot ab 1950 bis 1954 Convertibles mit recht luxuriöser Ausstattung in einer Größenordnung von 88 Stück hergestellt wurden.


The fastest Car-HCIn die Verkaufsstrategie passte es, dass ein Team der britischen Fachzeitschrift „The Motor" in Zusammenarbeit mit dem Mailänder Automobil-Club auf einem Teil der Autostrada zwischen Mailand und Como Geschwindigkeitsmessungen unternahm. Dabei ermittelte man für einen Elliott eine Spitzengeschwindigkeit von 104,65 miles/h. Natürlich war der Wert exorbitant hoch. Aber bereits zuvor erzielten D. Healey und R. Menadue im Jahre 1946 unter den kritischen Augen des Königlichen Automobil-Clubs von Belgien sogar 110,8 miles/h. Diese großartigen Werte führten dazu, dass der Wagen allgemein als schnellste britische Limousine galt, und Healey das natürlich werbewirksam propagierte.


Mödelle der bisher genannten Autos sind heute nicht mehr weder als Bausatz noch als Fertigmodelle neuwertig zu bekommen. Die hier gezeigten Exemplare im Maßstab 1:43 konnte man in den 1980er Jahren als Bausätze zu Preisen um 30,-D-Mark im Handel kaufen oder beim Hersteller, dem Lehrerehepaar Richardson in England bestellen. Sicher entsprachen die Kits nicht der Präzision, die heute geboten wird, aber sie sind die einzigen Modelle dieser Typen und nur sehr mühsam antiquarisch zu beschaffen.

Rechnung von Mikansue aus 1987             Westland und Elliott von Mikansue Verpackung von Mikansue  

Duncan Drone-EMModelle des minimalistischen Roadsters Healey- Duncan „Drone" gab es ebenfalls von Mikansue, doch interessierte mich dieser Typ damals nicht, und heute suche ich noch immer nicht nach einem Exemplar aus Grabbelkisten.

 

Dagegen ist ein 43er-Modell des Healey Duncan-Coupès bei „TW Collection" als Kit auch in diesen Tagen zu kaufen. Vor drei Jahren gelang es mir, mit der Unterstützung von Wolfgang Puritz, ein derartiges Artefakt zu erwerben. Gußqualität und Maßhaltigkeit entsprechen in diesem Falle aber kaum den Erwartungen und Vorstellungen eines Modellbauers. Es bedurfte schon einer äußerst aufwändigen Bearbeitung der Bausatzteile, bis ein einigermaßen gelungenes Modell in die Vitrine eingegliedert werden konnte.

Healey Duncan-EM Verpackung des Duncan von TW Healey Duncan von TW Duncan ueberholt Elliott

Ein Modell des Healey Tickford, das vormals von Mikansue editiert wurde, fand bislang keinen Weg in meine Sammlung, und es wird schwierig werden, Healey Tickford-EMein annehmbares Exemplar in Zukunft zu erwerben. 225 Exemplare des Vorbildes fanden Käufer. Die bei Tickford, einer ebenfalls renommierten Karosserieschmiede, gebauten viersitzigen, geschlossenen Autos waren luxuriös ausgestattet und hinreißend gekleidet. Obwohl sie als Sports-Saloons bezeichnet wurden, waren sie doch eher für komfortables Reisen denn für Sporteinsätze geeignet.

Sportsmobile bei der Trips-Fahrt WVÄHealey Sportsmobile in Loersfeld-WVhnliches gilt auch für das Healey-Sportsmobile, das zwischen 1948 und 1950 in einer Auflage von 25 Autos bei Sam Morris & Co. hergestellt wurde.

 

Alvis HealeyAlvis Healey FrontEher für Sporteinsätze waren da schon die 28 in den Jahren 1951/52 gebauten Healey 3Liter Sports Convertibles, denen ein Sechszylinder-3Liter-Motor von Alvis Vortrieb verlieh.  Von diesem Vorbild, das heute gemeinhin Alvis-Healey genannt wird, gab es m.W. bisher keine Modell-Nachbildung.

Für den ab 1948 bis 1950 in ca. 105 Exemplaren ausgelieferten Healey Silverstone erhielt man vor langer Zeit 1:43-Modelle von Auto Replicas. Es wäre durchaus wünschenswert, dass sich eine Manufaktur wie beispielsweise CMS oder AutoArt mit der Herausgabe einer 1:18-Miniatur dieses Vorbildes befassen könnte; ein Markt wäre bei der Beliebtheit des Silverstone gewiss vorhanden. Das Original erhielt seinen Namen nach der berühmten Rennstrecke in England, denn dort gehörte er nach dem Willen seiner Schöpfer hin.

Modelle des Silverstone         Silverstone-Prospekt Silverstone von Auto Replicas

Anders als der Duncan Drone war der Silverstone formal eleganter und trotzdem zweckentsprechend gestaltet. Ein Auto dieses Typs nahm mehrfach und zudem sehr Silverstone von Dorothee und Bernderfolgreich an verschiedenen Graf Berghe von Trips – Gedächtnisfahrten teil. Neben dem Silverstone betreuen die Besitzer Dorothèe Weingarten und Bernd Scraja auch ein 1949er Sportsmobile, pflegen überdies eine Website zum Thema Klassische Healeys und sind bestrebt, das Silverstone-Register ständig zu vervollkommnen.

Ihr Silverstone ist in der ganzen Welt als OPA 2 bekannt, denn er war im Jahre 1949 als OPA 2 bei der Trips 2003Werkswagen der Healeys bei Sportwagen-Wettbewerben im Einsatz. Der Zweitbesitzer Charles Mortimer berichtet in seinem 1951 bei Foulis erschienenen Buch „Racing a Sports Car" über die Erlebnisse des Ehepaares Jean und Charles Mortimer im Rennsport mit ihrem Silverstone „OPA 2" und einem HWM im Jahre 1950.

Mortimer-EinbandBeide hatten große Erlebnisse während dieser Zeit und waren bei Sporteinsätzen in ihrem Heimatland außerordentlich erfolgreich.
Doch auch bei internationalen Veranstaltung errangen die mit Riley-Motoren bestückten Healeys manchen Lorbeer.

Jean und Charles Mortimer1949 belegten Donald und Sohn Geoffrey auf einem werkspräparierten Westland den 9. Platz bei der Mille Miglia, während Graf Lurani mit G. Sandri auf einem serienmäßigen Elliott in der Tourenwagen-Klasse siegten. Ein Jahr später belegten Geoffrey Healey und Tommy Wisdom wiederum mit einem Westland den 10. Platz im Gesamtklassement und gewannen dazu die Wertung in der Klasse der Tourenwagen.

Auch aus Le Mans kann ein früher Erfolg vermeldet werden, denn das Team Bartlett/Mann kreuzte dort im Jahre 1949 mit einem Elliott an 13. Stelle die Ziellinie. Außerdem sind Erfolge bei Alpenfahrten und diversen Sportwagen-Rennen dokumentiert.

Elliott in Le Mans 1949-CHE Mann u Goodall in Le Mans 1950-CHE

 

 

 

Wer speziellere Auskünfte sucht, dem sei die Lektüre folgender Publikationen empfohlen:

  • Emerson,B.: The Healey Book – A Complete History of the Healey Marque. London, 2002, S.10-61. Bei Repros: Em.
  • Schrader,H.: Britische Sportwagen, Band 2. München, 1984, S.104-107. Repros: Schr.
  • Gloor,R.: Nachkriegswagen – Personenautos von 1945-1960. Bern, 1980, S.178-179.
  • Healey-Cars – Road Tests / Service Data / Road Research Reports.
  • Hockley, o.J., 60 Seiten, S.19-28. Repros: HC.
  • Chevalier,H./Dubois,T.: Les Healey au Mans 1949-1970. Neuilly,o.J., S.19-28. Repros: Che.
  • Mortimer, Ch.:Racing a Sports Car. London, 1951, 138 Seiten. Repros: Mor.

Die Herkunft der Abbildungen ist an den Kürzeln aus der Literaturliste zu erkennen; Fotos des Verfassers sind nicht gekennzeichnet, die von W.Puritz mit WP und die von W.Volk mit WV.

 

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