Von Kobolden und Zwergen...

14. 01. 22
Autor: Josef Krings
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... Austin Healey „Sprites" und MG „Midgets" in Prospekten und als Miniaturen

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Bei der Entwicklung des Sprite Mk.1 arbeiteten Donald und Geoffrey Healey mit den Austin – Verantwortlichen unter Len Lord eng und vertrauensvoll zusammen, und der aus dieser Kooperation entstandene kleine Sportwagen verkaufte sich sensationell gut. Insgesamt fast 49.000 Exemplare des Kobolds ließen sich von 1958 bis zum Frühjahr 1961 in aller Welt verkaufen.

Bereits bei der Edition des Sprite waren BMC und die Healeys sich einig, dass alsbald ein Nachfolger gefunden werden müsse. Die Healeys interpretierten diese Aufgabe auf ihre spezielle Denkweise, indem sie einen „Super-Sprite" unter dem Code XQHS (Experiment Nachfolger Healey Sprite) auf der Bodengruppe des Mark 1 entwickelten.

Sprite-Midget 2Sprite-Midget 3Sprite-Midget 4Die von Designer Les Ireland gestaltete Haut gab dem Sprite-Projekt nun eine durchaus als elegant zu bezeichnende Form. Die Abbildungen unterstreichen dies deutlich und Emerson (s. Literatur) überliefert dazu ein Foto mit einem BMC – A – Motor als Antriebsquelle. Letztlich jedoch implantierte man einen 1100er-Motor von Coventry – Climax mit einer Leistung von 75 PS. Damit jedoch kam man den MG-Oberen in die Quere, die die Existenz des MG-A und den Start des diesem nachfolgenden MG-B bedroht sahen. So teilte man den Healeys mit, deren Projekt nicht weiter fördern zu wollen. Statt dessen ließ man bei der BMC im Bereich der Bodengruppe und des Antriebs alles wie zuvor. In formaler Hinsicht glich man die Gestaltung der Karosserie an die des in Planung befindlichen MG-B an und erhielt so ein durchaus italienisch anmutendes Erscheinungsbild mit einem von außen zugänglichen Kofferraum im Heck. Das 948er-Triebwerk hatte man überarbeitet, u.a. neue Vergaser und Ventilfedern eingesetzt. Das ergab immerhin eine Leistungssteigerung um in der Regel 4 PS, und es wird gesagt, die Sprites habe man stets mit den nach den Testläufen leistungsstärkeren Motoren bestückt.

Da die Mk.1-Sprites bereits etliche Sporterfolge vorzuweisen hatten, entstand nun neben dem Sprite ein ebensolcher Wagen von MG, den man, der langen Sporttradition dieser Marke folgend, als Midget bezeichnete. Es geschah damit schlichtweg das, was die BMC schon seit 1959 mit den Minis von Austin, Morris, Riley und Wolseley als sog. „badge-engineering" bezeichnete. Der neue Midget Mk.1 (G-AN 1) war mit dem Sprite bis auf Kühlergrill, einigen Chromzierleisten auf Flanken und Motorhaube, einer etwas gehobeneren Ausstattung und natürlich dem Badge, dem Markenzeichen identisch.

Ab Mai 1961 bis zum Ende dieser Serie im Oktober 1962 verkaufte man vom Sprite Mk.2 (H-AN 6) 20.450 Exemplare und vom Midget Mk.1 (G-AN 1) 16.080 Exemplare. Die Abbildungen aus den jeweiligen Prospekten weisen, am Ende dieses Berichtes präsentiert, auf Unterschiede bzw. auf Weiterentwicklungen hin. Allerdings werden Ausschitte aus Midget-Prospekten lediglich für dessen Mk.1 bzw. Mk.2 abgebildet. Das hängt nicht nur mit der relativen Übereinstimmung der beiden Typen zusammen, sondern auch daran, dass mir weitere Midget – Prospekte fehlen. Deshalb kann hier auch keine Werbung in Prospektform vom Midget Mk.4-1500, also dem sog. „Gummiboot" gezeigt werden.

Sprite-Midget 5Dieses war nicht zuletzt wegen der Sicherheitsanforderungen durch die US-Behörden u.a. an Front und Heck mit umlaufenden und weit vorstehenden Formteilen aus Polyurethan gegen Verletzung von Passanten keineswegs formschöner geworden. Immerhin verkaufte sich das Gummiboot in den fast sechs Produktionsjahren mit ungefähr 74.000 Einheiten recht ordentlich. Dennoch besitze ich keine Unterlagen bzw. Prospekte und weiß leider nicht, wo heute ein solches Dokument zu erwerben wäre.Gleiches gilt für eine Miniatur dieses Vorbildes.

Erst vor sehr kurzer Zeit legte Spark aber je ein auf 1:43 verkleinertes Gummiboot in geöffneter und geschlossener Version auf, die für je 51,95 Euro im Fachhandel zu erwerben sind.

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Überhaupt sind die Nachfolger des Frosches bisher relativ selten als Vorlagen für die eine oder andere Miniatur benutzt worden. Einzige Ausnahme ist die Manufaktur der Gebrüder Roffe im englischen Cranbrook. Sie bieten seit geraumer Zeit alle Ausführungen der Sprites und Midgets als Bausätze im Maßstab 1:43 an. Ihr Internetauftritt ist bequem unter www.kandreplicas.com.uk zu erreichen und ihr ebay-shop unter k-and-replicas/oaktree nurseries. Bestellbar sind die Miniaturen des Midgets unter den Artikel – Nummern ACE 23 bis ACE 29 und die des Sprites unter KR 36 bis KR 40. Sprite-Midget 71Die Metall-Bausätze sind zwar einfach, dennoch form- und ausstattungsgetreu gestaltet, und sie können zu Preisen um die 30 bis 35 Pfund zuzüglich 5 Pfund für Versand und Verpackung bezogen werden. Die Zahl der Bauteile ist überschaubar groß, die Gußqualität ansprechend und ohne allzu aufwändige Entgratungs- bzw. Schleifarbeiten zu montieren. Die Roffes liefern die Modelle zu Preisen um 90 Pfund auch in gebautem Zustand und gewünschter Lackierung aus.Sprite-Midget 81
Einfacher ist es da, Fertigmodelle von Spark oder Ebbro bei Händlern zu bestellen bzw. abzuholen, die zwischen 51,95 und 60,95 Euro kosten. Wenn man sich zum Kauf eines Sprite Mk.2-Modells der genannten Großserienhersteller entscheidet, sollte man sich bewußt sein, dass deren Miniaturen erhebliche Abweichungen vom Vorbild sowohl in Form als auch in Ausstattung aufweisen. So sind die Modelle, um nur ein Manko zu erwähnen, mit Türgriffen auf der Außenhaut versehen. Derlei Schlampereien sind zwar bei Produkten aus Großserien nicht selten, stellen trotzdem eine Zumutung dar, und das bei den geforderten, fürstlichen Preisen für Resine-Modelle. Typisch ist, dass der gleichfalls von Spark angebotene Midget Mk.2 die gleichen Features zeigt, hier sind sie dann stimmig!
Nun folgen Auszüge aus Original-Prospekten (Abb. 11 – 16) für die kleinen Sportwagen der Typen Austin Healey Sprite Mk.2 / MG Midget Mk.1 bis hin zum Sprite Mk.4. Leider fehlen mir sowohl Prospekte als auch Fotos des Sprite Mk.5, der parallel zum Midget Mk.4 entstand, und der in seiner letzten Ausführung von Januar 1971 bis etwa zum Ende dieses Jahres in 1022 Exemplaren als Austin Sprite gebaut und verkauft wurde. Es ist schade, dass ich von einem mir 1986 angebotenen Auto dieses Typs weder Fotos machte noch den Wagen erwarb. Genauere Angaben zu den einzelnen Baumustern der Typenreihe können nachgelesen werden bei:

Olewski,F.: Seriensportwagen von 1945-1980. Basel, 1984, S.194-195
Schlegelmilch,R./Lehbrink,H.: Englische Sportwagen. Köln, 2001, S.272-275
Dymock,E.: Sprites und Midgets. Collector's Guide Band 13. Königswinter, 1991
Emerson,B.: The Healey Book – A Complete History of the Healey Marque. London, 2002, S.144-145 / 164-165 / 204-205.

Abbildungen:

  1. Sprite Mk.2 (Foto 1963) und 1.1 Sprite Mk.2 (Foto 1989)
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    Sprite-Midget 12

  2. Healey XQHS (Dymock)
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  3. BMC-A-Motor und Coventy Climax im XQHS (Emerson)
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  4. XQHS – Ansichten (Emerson)
    Sprite-Midget 4
  5. Midget Mk.4 – 1500 (Foto: Model Car World)
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  6. Sprite Mk.2 von K&R Replicas
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  7. Midget Mk.4 von unbekanntem Hersteller
    Sprite-Midget 71 Sprite-Midget 72
  8. Sprite Mk.2 mit Türgriffen! Von Spark
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  9. Sprite Mk.4 (Foto K&R)
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  10. Prospekt Sprite Mk.2 1.1 – 1.2
    10 Sprite Mk21 10 Sprite Mk22
  11. Midget Mk.1
    11 Midget Mk11 11 Midget Mk12
  12. Sprite Mk.2 – 1100
    12 Sprite Mk2-1100  
  13. Midget Mk.1 – 1100
    13 Midget Mk1-1100 1 13 Midget Mk1-1100 2
  14. Sprite Mk.3
    14 Sprite Mk3 1 14 Sprite Mk3 2
  15. Midget Mk.2
    15 Midget Mk2 1 15 Midget Mk 2 2
  16. Sprite Mk.4
    16 Sprite Mk 4 1 16 Sprite Mk4 2 16 Sprite Mk4 3 16 Sprite Mk4 4

 

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