"Herr Elan" und sein verborgener Schatz

11. 11. 06
Autor: Josef Krings
Zugriffe: 1985

Vorweg gesagt, Herrn Elans größter Schatz ist seine Gattin nebst Familie.

Er selbst hegt dazu noch einen Schatz, der ideell in seiner Offenheit, Wahrheit, Liebenswürdigkeit und dem Wissen um Technik und Technikhistorie besteht.

Der hier gemeinte Schatz ist dabei nach seiner eigenen Aussage eine Nebensächlichkeit, wenn er auch zugibt, ein gewisser Besitzerstolz sei schon vorhanden. Dennoch lebt er dies keineswegs aus, sondern erscheint bei seinen nicht seltenen Besuchen im Rosengart-Museum häufig mit der geliebten Quickly oder weiteren Produkten der Marke aus Neckarsulm. Nur gelegentlich lässt er sich dazu hinreißen, den Rolls-Royce Corniche Cabriolet, einen Porsche, Mercedes oder Lancia, im Herbst auch einmal in einem Jaguar aufzutauchen.

 Von seinem automobilen Schatz redetet er dabei nur beiläufig und selten. Noch seltener allerdings kommt es vor, dass er ihn jemandem vorführt, und dann nimmt er sich auch genügend Zeit für ausführliche, anregende Gespräche. Uns, einer Gruppe von sieben Enthusiasten bot "Elan" im Oktober eine Besuchsmöglichkeit an. Es war überwältigend, nicht allein die Fülle an Objekten, auch das Wissen des Eigentümers zu jedem Exponat beeindruckten außerordentlich. Es ist schon als absolute Rarität anzusehen, wenn ein Privatmann ein paar Dutzend Motorräder besitzt, hier waren es gleich einige Hundert. Angefangen bei den Fahrrädern mit Hilfsmotor über die gesamte Produktpalette von NSU mit dem Schwergewicht auf sämtlichen Stationen zur kleinen Quickly bot sich ein Bild der technischen Entwicklung bezogen auf die Motorradproduktion in Europa der 1930er bis 1960er Jahre. Hier lag der Schwerpunkt eindeutig auf Motos aus Deutschland, doch auch ausländische Marken wie z.B. Matchless oder Sarolea konnte "Elan" in mehreren ausgesuchten Exemplaren, präsentieren, und alle sahen fabrikneu aus, waren fahrbereit. Hätten wir nicht in einer Ecke des Schauraumes penibel gefaltete Abdecktücher gesehen, wir hätten glauben können, uns auf musealem Gelände zu bewegen. Fast alle vierrädrigen Fahrzeuge zeigen sich wie die Motorräder in gepflegtem meist fahrbereiten Zustand. Wir stehen vor einem Lancia Appia GT Zagato, bestaunen die formale Gestaltung, diskutieren über Gasführung beim kleinen 1090er-V4 als "Elan" fragt, ob es uns erfreuen würde, den Motor in Aktion zu hören. Als wir bejahen, setzt unser Führer sich hinters Lenkrad, lässt den Starter nur kurz durchlaufen, bevor das kleine Triebwerk ruhig und klaglos die Arbeit aufnimmt. Weitere Lancia Ardea, Aprilia, Appia, Flaminia, Aurelia, darunter eine B10, bis hin zur Fulvia und Delta könnten ebenso gestartet und sogar nach wenig Arbeitsaufwand das Tor zur Außenwelt durchfahren.

Fotos: Willi Volk

Daneben stehen einige markante Porschetypen von 1500er Carrera GT mit dem äußerst diffizil zu handhaben Königswellen-Motor über weitere 356er bis zu den Typen mit wassergekühlten Triebwerken. Die weitere Spannweite umfasst zahlreiche Jaguars, Mercedes, Audis, BMWs aber auch einige Volkswagen und Opel, dazu unzählige Autos aus der Wirtschaftswunderzeit vom Goggomobil bis zum BMW 502, Traktoren und andere Nutzfahrzeuge.

"Coup de théâtre" aber ist für den Berichterstatter ein Wolseley Hornet. Trotzig steht er in seiner knorrigen Einfachheit neben all den Pretiosen europäischen Automobilbaus. Er trägt kein Designerkleid, jedes Bauteil ist zur Funktion unbedingt notwendig, kein einziges Teil dürfte entfernt werden. So müssen perfekte Fahrzeuge aussehen.

Und dann wiederholt sich, das was wir zuvor schon mehrfach erlebten. Ein Druck auf den Starterknopf genügte, und das kleine 6-Zylinder-Triebwerk beginnt zu arbeiten, läuft ruhig und ohne Nebengeräusche. Man möchte einsteigen, den ersten Gang des Viergang-Getriebes einlegen und losfahren. Schade wäre es nur um die Sammlung, ein kleiner aber wichtiger Bestandteil würde fehlen. Also blieb der Hornet in seiner gewohnten Umgebung.

Herrn Elan aber sei gedankt für seine freundliche, informative Führung, die die Zeit im Fluge vergehen ließ. Zu Wünschen wäre Herrn Elan und seiner Familie, dass der Wunsch ein Museum einzurichten, bald realisiert werden möge.

Text: Josef Krings

oben