Kleider machen Leute...

17. 08. 20
Autor: Josef Krings
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Von Spezialkarosserien auf Basis des VW-Käfer in Original und Kleinformat.

Karmann Ghia

K Ghia Front und Heck MF Karmann Treffen HO  Karmann 14 und 34 HO
Karmann Ghia Karmann im 43er Massstab  Karmann in OVP
Karmann von Minichamps Karmann von Yat Ming  Karmann vor Semper Oper HO

Beeskow

Dannenhauer im 43er Massstab  Dannenhauer und Lawrence
 Dannenhauer und Stauss  Dannenhauer von BoS Models

 

VW Dannenhauer

 Beeskow Cabrio GL Beeskow Cabrio W  Beeskow Cabrio
 Beeskow im 43er Massstab  Beeskow von Neo Scale  


Enzmann 506

Enzmann Prototyp, unten GL Enzmann Coupe Enzmann im 43er Massstab
Enzmann von Neo Scale Enzmann 506 Enzmann Cabrio GL


Denzel

Denzel des Museums Prototyp KStA Denzel Hardtop GL Denzel in Noervenich
Denzel in OVP Denzel mit Verdeck GL Denzel Sportwagen
Denzel Super 1300 von 1957 Wi Denzel von autocult  


Beutler

Beutler Beutler Heck Beutler Coupe GL
Beutler Seitenansicht Beutler von hinten Beutler von Neo

Im 19.Jahrhundert publizierte der Schweizer Schriftsteller Gottfried Keller eine drei Bände umfassende Sammlung von Novellen. Im zweiten Band stellte der Poet die „Leute von Seldwyla“ vor. Darin spielt der Schneidergeselle Wenzel Strapinski eine besondere Rolle. Er trug selbstgefertigte Kleidung, die sich erheblich von der der übrigen Bevölkerung abhob. Als er so in Seldwyla eintraf, hielten ihn die Dorfbewohner für etwas Besonderes, er wurde sogar als Adliger angesehen. Nach zahlreichen, dadurch hervorgerufenen Wirrungen wurde er schließlich doch dank unvorhersehbarer Fügung zum geachteten und angesehenen Bürger.

Auch in der Autoindustrie gab es stets Bestrebungen, den Serienprodukten mittels besonderer Formgebung eine individuelle Note zu geben. In den 1930er Jahren war es sogar üblich,Chassis bei Autoherstellern zu kaufen und anschließend bei Karosseriebauern nach eigenen Vorstellungen gestalten zu lassen. Im Falle des 1100er Käfers, der nach 1945 die Werkhallen in Wolfsburg verließ, war es jedoch nicht mehr der Einzelkunde, sondern eher der Autoproduzent, der eine Individualisierung anstrebte, die neue Käuferschichten ansprechen und deren besondere Vorstellungen von einem Fortbewegungsmittel erfüllen sollte.

IAA 1955 OM Als herausragendes Beispiel dafür mag der VW-Karmann-Ghia gelten, den man 1955 dem Publikum auf der IAA in Frankfurt präsentierte und der größtenteils als Coupé, aber auch als Cabrio ab 1957 bis zum Jahre 1974 in 443482 Exemplaren Käuferinnen und Käufer fand.

 

 

VW Cabrio 1958 GL    VW Cabrio 1968 GL VW Cabrio 1975 GL  

Erste Versuche, das Erscheinungsbild des relativ unspektakulär wirkenden Käfers formal aufzuwerten, begannen bei Volkswagen bereits in den späten 1940er Jahren als das bei Karmann gefertigte Cabrio 1949 auf den Markt kam, und das bis 1980 im Angebot bei VW war. Von Osnabrück gingen dann auch ab 1951 einzelne Entwürfe für Nachfolgemodelle ein, die der VW-Vorstand jedoch stets ablehnte. Schließlich konnte Wilhelm Karmann im Jahre 1953 Kontakte zu Luigi Segre, dem damaligen Leiter der Carrozzeria Ghia knüpfen, die sich in der Folge als äußerst fruchtbar erweisen sollten. Jedenfalls gelang es sogar, den VW-Vorstand Heinrich Nordhoff vom angedachten Projekt zu überzeugen und schließlich unter seine Fittiche zu nehmen.

VW Cabrio CS    Segre und Karmann OM
 Wilhelm Karmann OZ Nordhoff und Adenauer im Cabrio TS

Am Ende stand der Deal, die fertigen VW-Karmann-Ghia im Händlernetz von Volkswagen zu warten und zum damals stattlichen Preis von 7500 DM an Käufer abzugeben. Über zahlreiche Details zu diesem höchst ungewöhnlichen Geschäft berichtet „Oldtimer Markt“ in Heft 6/2015 anlässlich des 60. Geburtstages der heute begehrten Schönheit, denn zur IAA 1955 bot man den Wagen zum oben genannten Preis an.

 

 

 

 Titel in OM 6 2016  Produktion bei Karmann OM
 Antriebseinheit OM  Ghia Prototyp OM

1957 folgte ein entsprechendes Cabrio-Angebot, das eine Produktionszahl von 81000 Exemplaren erzielte, während die gesamte Baureihe bis zu ihrem Auslaufen im Jahre 1974 ein Gesamtvolumen von weiter oben genannter Anzahl erreichte. Während der Produktionszeit erfuhr der „Karmann Ghia“ zahlreiche Veränderungen in Aufbau und Technik, in erster Linie bedingt durch Modifikationen am Export-Käfer, auf dem er basierte. Über die lange Bauzeit erhalten blieb die extravagante, zeitlose Formgebung, die bis zum heutigen Tag zu begeistern vermag und nicht zuletzt die Ursache für seine andauernd überdurchschnittliche Beliebtheit ist, auch wenn man das Auto früher abschätzig als „Sekretärinnen-Ferrari“ abstempelte.

Weniger erfolgreich war der auf dem Typ 34 basierende Karmann mit 1500 bzw. 1600er Maschine im wohlgeformten Heck. Erfolgreich nehmen Beate und Heinz Ommer seit langer Zeit an den Trips-Fahrten teil. Sie steuerten etliche Fotos ihres Autos und von Karmann – Treffen im In- und Ausland hierfür bei.

   Beate, Heinz und Pokale HO   Instrumente und Lenkrad HO   Treffen in Tschechien HO  
   Karmann Treffen HO  Karmann vor Semper Oper HO  Am Stilfser Joch HO
     Karmann 14 und 34 HO  


Bei der Begeisterung für die Formgebung des Originals, ist es wenig verwunderlich, dass Miniaturen in unterschiedlicher Größe und Ausführung schon lange auf dem Markt sind. Beispiele für solch historische Modelle sind z.B. die 1:24er Bausätze von Gunze und Revell oder das 1:18er Fertigmodell von Yat Ming, das sich als einzige Verkleinerung eines Karmann Ghia in meiner Sammlung befindet. Beide Ausführungen werden neben zahlreichen anderen in divergierenden Maßstäben gelegentlich von einschlägigen Ebay-Shops angeboten.

Karmann von Yat Ming Karmann in OVP Ghia im 18er Massstab
Seitenansicht Karmann im 43er Massstab Karmann von Minichamps
Ghia Linienfuehrung Ankuendigung von Minichamps MF Ghia Linienfuehrung
K Ghia Front und Heck MF    

Gegenwärtig sind Modelle nach dem Karmann-Vorbild im Maßstab 1 : 18 von Welly in hellblau bzw. weiß, in 1 : 43 von Neo in hellblau gold, im gleichen Maßstab von Minichamps als Cabrio in einem dunklen Blau und schließlich in 1 : 87 von Wiking im Versandhandel respektive in einschlägigen Geschäften zu erwerben. Zusätzlich muss unbedingt erwähnt werden, dass Minichamps voraussichtlich 2016 im Herbst 1: 18 Modelle des schönen Italo-Deutschen sowohl als Coupé als auch als Cabrio in diversen Farbstellungen herausgeben wird. Dies berichtet zumindest das Fachmagazin „ Modell – Fahrzeug“ in seiner Ausgabe 4 / 2016.

Nordhoff in Wolfsburg TS Bevor Wilhelm Karmann sich mit Heinrich Nordhoff auf den Bau des Karmann – Ghia und dessen Verkauf durch die VW – Händler geeinigt hatte, waren Jahre zuvor schon verschiedene Karosseriebau-Firmen mit eigenen Entwürfen bei Nordhoff vorstellig geworden. Sie wurden ausnahmslos abgewiesen, weil der VW-Chef keine Chassis für Aufbauten zur Verfügung stellen wollte, sondern eher den Kauf von fertigen Käfern von den Blechschneidern erwartete. Hintergrund war, dass VW sich nicht in Gewährleistung für die neuen Produkte ziehen lassen wollte. Das Unternehmen war nicht bereit, derlei Produkte zu vertreiben und anschließend die Wartung zu übernehmen.

1950er Hebmueller GL Hebmueller Fabrik CS Hebmueller bei der Trips RK
Hebmueller Armaturen CS Pascha bei Trips Fahrt Pascha in Manheim alt
In Koeln 1951 CS In Dinkelsbuehl CS Nuernberg 1951 CS
Zelten mit Pascha 1953 CS Schlafen im Pascha 1953 CS  

Allein den Gebrüdern Hebmüller, die in Wülfrath bereits bis in die 1940er Jahre meist offene Versionen von Fahrzeugen der Hersteller Fiat, Ford und Opel hergestellt hatten, gelang es, die Entscheider in Wolfsburg zu überzeugen. Ihnen stellte man per Vertrag 2000 motorisierte Chassis zur Verfügung, die man bei Hebmüller als 2/2sitzige Cabrios zum Preis von ebenfalls 7500 DM kaufen konnte. Heute kann man für ein original restauriertes Fahrzeug je nach Zustand bis zu 120.000 Euro bezahlen. Das von Enthusiasten begehrte Auto lehnte sich formal sehr stark an den Käferentwurf an. Gleichwohl wirkte es wegen seiner langgezogenen Motorhaube, des voll versenkbaren Verdecks und der seitlich angebrachten Zierleisten äußerst elegant. Als Folge eines Großbrandes in den Wülfrather Produktionsstätten kam es jedoch nicht zu den projektierten 2000 Einheiten. Es entstanden bis 1952/53 lediglich 696 Exemplare, von denen heute noch 136 Stück erhalten sein sollen. Diese Zahl nannte Christoph Schultz, der stolzer Besitzer eines dieser raren Automobile ist. Mit dem 1950 ausgelieferten Prachtstück, das sie bereits damals in der Familie liebevoll „Pascha“ nannten, bereichert er seit vielen Jahren das Teilnehmerfeld der Trips-Fahrten in Kerpen. Besonders interessant ist übrigens, dass der Hebmüller sich seit seiner Erstzulassung in Familienbesitz befindet, was Christoph u.a. durch Fotos des jetzt einfarbig silbern lackierten Autos, die Originalfarbe war schwarz, im noch zerstörten Köln vor der Kulisse des Doms belegen kann.

Modell von Minichamps CS    Innenraum CS  Frontansichten CS
 43er Modelle 1 CS  43er Modelle 2 CS  87er Modell CS
 Seitenansicht CS  Verschiedene Massstaebe CS  Blechmodell Draufsicht CS
 Blechmodell Heck CS  Sammelobjekt CS  


Bis vor einem Jahr bot die Firma Schuco ein Modell des Hebmüller in 1:43 an. Wegen der unerwartet großen Nachfrage war die Miniatur in kurzer Zeit ausverkauft, doch soll es alsbald eine Neuauflage des gut gestalteten Modells geben. 2015 konnte man 1:18er Modelle von Minichamps zum Preis von 149 Euro erwerben. Auch dieses Angebot war in kurzer Zeit vergriffen, so dass der gleiche Hersteller nun eine Neuauflage in neuer Farbstellung ankündigt. Im großen Maßstab werden im Augenblick Ausführungen in rot/hellbeiger und schwarz/dunkelroter Lackierung von KK – Scale z.B. bei Model-Car-World zu Preisen von jeweils 69,95 Euro verkauft. Außerdem legte Busch zwei Verkleinerungen in 1:87 auf, die ca. 12 Euro kosten.

Auch vom in Berlin ansässigen Veredler Rometsch werden inzwischen Modellversionen gefertigt und angeboten. Es ist das Verdienst der niederländischen Manufaktur Matrix, den Hersteller als Modellvorlage entdeckt zu haben. Sowohl vom Beeskow als auch vom Lawrence sind diese Kleinode zu Preisen um 80 Euro im Fachhandel oder per Versand zu beziehen. Momentan werden von beiden Vorbildern auch von BoS-Models Modelle zu Preisen von 38 Euro feilgeboten. Sie unterscheiden sich ausser in der Farbstellung kaum von den Matrix – Nachbauten, vermutlich ist der Hersteller also der gleiche. Daneben gibt es bei BoS-Models 1:87er Modelle eines viertürigen Rometsch – Käfers, der später von VW in Mexiko als Taxi produziert werden sollte, während der 1959er Spider wohl ein Einzelexemplar aus dem DDR – Rennsport ist. Der schicke Sportwagen kostet ebenfalls 38,- Euro.

Logo Rometsch W    Beeskow Cabrio GL
 Beeskow Cabrio  Beeskow Cabrio W

Den einzigen Original-Rometsch erlebte ich vor einigen Jahren, als ein Rometsch bei der Trips-Fahrt teilnahm. Rabea und Rene van Hulzen brachten den aufwändig restaurierten Lawrence an den Start, nachdem sie ihn zuvor als Scheunenfund aus den USA mitgebracht hatten. Über die Restaurierung berichtet W. Volk auf dieser Seite unter dem Titel „Eine spannende Geschichte“. Nach mehrjähriger Restaurierung, zeitraubender Suche nach Ersatzteilen und zeitgenössischem Zubehör bot der Wagen bei seinem Auftritt bei der Trips-Fahrt mit der zweifarbigen Lackierung in Schwarz und einem dunklen Rot einen eleganten Anblick. Neben der extravaganten Farbgebung wies das Auto aus 1957 die typisch amerikanisch inspirierten Designelemente auf, die der Formgeber Bert Lawrence gewiss nicht ohne Grund der Alukarosserie mitgegeben hatte. Der auf dem „Genfer Salon“ in 1957 mit der „Goldenen Rose“ ausgezeichnete Entwurf erreichte bis 1961 einen Verkauf von 85 Exemplaren weltweit, und das war mit Sicherheit nicht das Ergebnis, das man sich bei Rometsch erträumt hatte.

Rometsch Lawrence Lawrence von BoS Lawrence Heck
Klassentreffen VW Schönheiten  


Ganz anders stellt sich da wohl der Absatz der Miniaturen dar, da Matrix vor etwa 3 Jahren die zuvor genannten Modellausführungen auf den Markt brachte, die heute als ausverkauft gelten. Beim Fachhandel zu beziehen sind augenblicklich noch ein Cabrio und ein Coupé von BoS-Models.

Beeskow Cabrio  Beeskow im 43er Massstab  Beeskow von Neo Scale 

Vor dem Lawrence hatte man bei Rometsch von 1951 bis 1956 den Beeskow auf der Käferplattform produziert. Johannes Beeskow war der Erdenker dieses gelungenen Entwurfes, dessen Linienführung zumindest im Bereich der Front Elemente vorwegnahm, die später beim Karmann – Ghia wieder aufgenommen wurden. In der Tat war Beeskow ab der zweiten Hälfte der 1950er Jahre für die technische Entwicklung bei Karmann in Osnabrück zuständig. Auch dieses schicke Auto gibt es heute als Modell in 1:43 in je einer Cabrio- und Coupé-Version von Neo-Scale. Beide Resinminiaturen sind zu einem Preis von je 38 Euro als preiswert anzusehen und durchaus als Bereicherung für die Vitrinen der Sammler empfehlenswert.

Dannenhauer und Lawrence Logo von Dannenhauer Wi Dannenhauer und Stauss
Dannenhauer im 43er Massstab Heckansicht Dannenhauer von BoS Models
Frontansicht    


Ein bemerkenswerter, heute jedoch weitgehend unbekannter Schönling auf Käfer – Basis entstand in den Jahren 1950 bis 1957 bei der Firma Dannenhauer & Stauss in Stuttgart. Gottfried Dannenhauer hatte zuvor beim Karosseriebauer Reutter gearbeitet und fertigte in seiner Firma etwa 100 Exemplare eines Cabrios auf Käfer-Basis. Der Aufbau aus Aluminium entstand dabei in Handarbeit, so dass die Käfer-Derivate zum horrenden Preis von fast 9000 DM erworben werden mussten. Die Formgebung folgte weitgehend den Linien des Porsche 356. So kann es nicht verwundern, dass selbst die bei BoS erschienene Miniatur mit rotem Lack und beigefarbigem Verdeck von vorne betrachtet wie ein 356er – Porsche aussieht. Während das formschöne Modell noch für 39,95 Euro erworben werden kann, stellte Dannenhauer die Produktion des Beaus schon in den Fünfzigern ein, weil Volkswagen sich weigerte, weiterhin Chassis und Antriebseinheiten zu liefern. Bei VW in Wolfsburg konzentrierte man sich in erster Linie auf den Absatz des Karmann – Ghia, weil man es geschafft hatte, den Vertrieb des neuen Autos und damit auch dessen Service an sich zu ziehen.

Das gleiche Schicksal erlitt eine weitere Schönheit, die der Schweizer Arzt und Hobby – Konstrukteur Emil Enzmann entwarf und 1956 in der Schweiz vorstellte. In Deutschland erschien das Auto 1957 erstmals auf der IAA in Frankfurt und posierte dort auf dem Stand mit der Nummer 506. Demgemäß nannte der Konstrukteur sein Werk Enzmann 506. Bei der Formgebung ließ sich Enzmann mit Sicherheit von der Linienführung des Porsche 550 Spyder inspirieren. Die Karosserie, die keine seitlichen Türen aufwies und in einem Stück gefertigt war, bestand aus glasfaser-verstärktem Kunststoff, also GFK. Dieser sog. Monoblock wurde schließlich mit einem VW-Chassis verschraubt. Enzmann bot das schicke Gefährt in drei Ausführungen an: als offener Spider mit flacher Scheibe, als Cabriolet mit normaler Frontscheibe inclusive eines Faltverdecks und als Hardtop mit festem Klapp- oder Schiebedach. Die letztgenannte Variante gab Neo-Scale im vergangenen Jahr als Miniatur im Maßstab 1:43 heraus. Das Modell gibt die Linien des Originals gekonnt wieder. Die Auflagenhöhe ist mir nicht bekannt, wird jedoch die des Originals weit übertreffen, denn das entstand in den Jahren von 1956 bis 1968 in bescheidener Stückzahl von 100 Exemplaren.

Enzmann Cabrio GL   Enzmann Prototyp, unten GL   Enzmann im 43er Massstab 
 Enzmann von Neo Scale  Schickes Heck  Enzmann 506
Enzmann Coupe    

Wer sich heute nicht mit dem Erwerb eines Modells bescheiden will, der hat erstaunlicherweise die Möglichkeit ein „Original“ zu ordern. Sohn Karl Enzmann und Schwiegersohn Werner Schreiber bieten nämlich seit 2001 originalgetreue Wiederauflagen des Enzmann 506 an, die nun mit Vierzylinder – Boxermotoren von zwei Litern Hubraum und einer Leistung von über 100 PS ausgestattet werden. Dies ist ebenso erfreulich wie das Angebot von Neo-Scale.

Beutler Coupe GL Schneller Beutler Beutler Heck
Beutler von Neo Beutler Seitenansicht Beutler von hinten


Ebenso in der Schweiz angesiedelt war eine weitere Firma, die dem Käfer ein fescheres Auftreten verschaffte. Die Brüder Ernst und Fritz Beutler gründeten 1943 in Thun, im schweizerischen Kanton Bern gelegen, ein Karosseriebau – Unternehmen. Sie fertigten dort in Handarbeit meist sportlich wirkende Aufbauten für Personenwagen – Fahrgestelle verschiedener europäischer Hersteller. Ab 1948 – 1949 entstanden z.B. sechs Cabrios auf der Basis der damals neuen Porsche 356. In den 1950er Jahren stattete man weitere Porsche mit neuen Kleidern aus, dehnte die Aktivitäten jedoch auch auf Wolfsburger Produkte aus. So entstand ein elegantes Coupé auf der VW – Plattform, das in gleicher Linienführung später auch mit Porsche – Motoren glänzen durfte. Mir selbst begegnete ein solches Auto einmal anlässlich der Classic – Days auf Schloss Dyck. Bei Neo – Scale erschien vor kurzer Zeit ein Modell nach dem Vorbild des Beutler – Porsche, das bisher allerdings noch keinen Eingang in meine Modellsammlung fand.


Glücklich bin ich jedoch darüber, dass ich kürzlich einen Denzel als Modell erwerben konnte. Erfreulicherweise hat sich der Modellhersteller autocult entschlossen in seiner Reihe von Modellen nach seltenen Vorbildern einen frühen Denzel im Maßstab 1:43 in einer Stückzahl von 333 Exemplaren aufzulegen.

Denzel von autocult Denzel in OVP Fahrgastraum
Denzel in Noervenich Denzel mit Verdeck GL Denzel Hardtop GL
Denzel Sportwagen Denzel des Museums Prototyp KStA Denzel Super 1300 von 1957 Wi
Denzel Sportwagen Wolfgang Denzel am Start KStA  

Der Wiener Wolfgang Denzel stammte aus der Heimat des VW – Erfinders Ferdinand Porsche und war vor dem Krieg schon im Automobilgeschäft aktiv. In der Nachkriegszeit beschäftigte er sich ab 1948 mit der Entwicklung und Umgestaltung von Fahrzeugen aus dem VW – Fundus, war mit Porsche also gewissermaßen seelenverwandt.

Für seine Arbeit übernahm er den Plattformrahmen des Käfers, den er entweder durch Längsträger verstärkte, oder er bediente sich gleich des Chassis der sog. Kübelwagen. Außer der Aufhängung mit hinterer Pendelachse übernahm Denzel zahlreiche Teile der Mechanik, und für den Antrieb auch den luftgekühlten Vierzylinder – Boxer – Motor im Heck. Den Zylinderkopf und den Kurbeltrieb unterzog der Tüftler einer speziellen Behandlung, so dass der Hubraum letztendlich von 1100 auf 1281 ccm anstieg. In diesem Zustand leistete der Motor 61 bis 65 PS, und das Auto erreichte eine Spitzengeschwindigkeit über 170 km/h.

Die Autos mit dem Firmenlogo WD, die man ab 1953 erwerben konnte, waren im Sporteinsatz durchaus erfolgreich, und Wolfgang Denzel selbst fuhr ein solches Sportgerät zum Gesamtsieg bei der Internationalen Alpenrallye im Jahre 1954. Dem wohlproportionierten Fahrzeug stellte Denzel ab 1956 wohl eher versuchsweise auch eine Coupé – Version zur Seite. Seine „Supersportausrüstung des VW“, wie W. Denzel einmal bescheiden formulierte, die ab 1957 unter dem Firmennamen Denzel vertrieben wurde, konnte sich aber im Gegensatz zu Porsche nicht mit größeren Stückzahlen auf dem Markt etablieren. Heute sind von diesen Autos nur noch wenige erhalten. Darunter ist auch das Vorbild des autocult – Modells, das im Museum Prototyp in Hamburg beheimatet ist. Natürlich wäre es großartig, wenn es in Zukunft auch Modelle nach Vorbildern z.B. eines Colani oder Devin geben würde. Wie schnell Träume wahr werden können, zeigt im Moment die Firma Schuco mit einem 1:18er VW – T1, der einen Formcar Formel V auf seiner Ladefläche transportiert. Vielleicht ist das aber der Stoff für eine neue Geschichte.

Formel V auf Bulli MF   Formel V von Schuco MF  

Literatur: Gloor, R.: Nachkriegswagen. Personenautos 1945-1960. Bern, 1980. (GL)
Enzyklopädie des Automobils. Augsburg, 1994.
Oldtimer-Markt. (OM)
Modell-Fahrzeug (MF)
Katalog Model Car World (M)
Fotos: Christoph Schultz (CS) Heinz Ommer (HO)
Osnabrücker Zeitung (OZ)
Kölner Stadt – Anzeiger (KStA)

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