Der Sohn eines Grand-Prix Siegers ...

13. 11. 17
Autor: Josef Krings
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... vom Honda S 800 und einigen Miniaturen

S8001S8002Mit dem genannten Slogan titelte die „European Honda Trading GmbH“ mit Sitz in Hamburg einen Prospekt vor dem Verkaufsstart für den kleinen Sportwagen im Februar 1968. Hintergrund für den Spruch war ein Sieg in der Formel 1 unter John Surtees in Monza im Jahre 1967. Begonnen hatte das Formel 1 - Engagement von Honda am 2. August 1964 beim GP von Deutschland auf dem Nürburgring mit dem amerikanischen Piloten Ronnie Bucknum am Steuer. Es endete nach vielen Enttäuschungen, aber stets hohem Enthusiasmus am Ende der 1967er – Saison mit dem 4. Platz in der Konstrukteurswertung, der in erster Linie John Surtees zu verdanken war.

Dabei hatte Honda erst 1962 mit dem Bau von Automobilen begonnen, nachdem man zuvor erfolgreich Motorräder gebaut und weltweit verkauft hatte. Auch bei den ersten produzierten Automodellen lehnte sich Honda, was Motor und Antrieb anbelangte, an die bewährte Motorradtechnik an. Die Kleinwagen der Typen 360 und 500 waren mit 4-Zylinder-Motoren aus dem Motorradbau bestückt.. Diese waren jeweils mit zwei oben liegenden Nockenwellen und Trockensumpfschmierung ausgestattet, deren Leistung von 33 bzw. 40 PS man mittels zweier separater Ketten auf die Hinterräder übertrug. Die Fahrwerksauslegung war durchaus fortschrittlich, nämlich vorne mit Einzelradaufhängung mit Längslenkern und Torsionsstabfederung, hinten mit Kurbelarmen und Schraubenfederung.

1963 erschien dann der Sports 500 mit 531 ccm Hubraum und 44 PS, der endlich auch in Europa den Markt der kleinen Sportwagen bereichern sollte. Anläßlich einer Rheinreise präsentierte Soichiro Honda höchstselbst das 3,30m lange Cabrio, das auf dem Deck eines Rheinschiffes festgezurrt war. Relativ kurze Zeit nach dieser Aktion kam zunächst 1964 der Nachfolger S (Sports) 600 und ab 1968 der S800 auf dem deutschen Markt an. S8003 2Die kleinen Flitzer verfügten wiederum über 4-Zylinder-DOHC-Motoren mit vier Keihin – Vergasern aber Kardan- statt Kettenantrieb auf die Hinterräder. Dem Cabrio-Kleid stellten die Japaner ab August 1965 ein wohlproportioniertes Coupè zur Seite, das im 600er 57 PS bei 8500rpm, im 800er 70 PS bei 8000rpm als Motorleistung aufwies und für Geschwindigkeiten von 145 bzw. 160 km/h ermöglichte.

Den ersten Auftritt auf der Bühne des Motorsports hatte der Zwerg aus dem Reich der aufgehenden Sonne am 6. September 1964 beim heute nicht mehr ausgetragenen 500km – Rennen für kleine GTs und Prototypen auf dem Nürburgring. Ein für den Rennsport präparierter und als GT für die Klasse der Fahrzeuge bis zu 1000ccm homologierter S 600 mit Hardtop sorgte damals für Furore. Mit dem späteren F1-Weltmeister Dennis Hulme am Steuer gewann der Honda die 1000er-GT-Klasse mit einem Schnitt von 1o6,3 km/h auf der Nordschleife und schlug damit nicht nur die Renn-Sprites und -Midgets, sondern auch die zu dieser Zeit pfeilschnellen Abarths.

S8004Exakt diese kleine Rennsemmel bildete P.Cornu für die Firma Provence Moulage aus Aubagne in den frühen 1990er Jahren als 1:43-Bausatz-Modell nach. Damals vollzog sich im Bausatzbereich der Übergang vom Metall- zum Resine-Guß. Das neue Material war weniger gewichtig und scheinbar nicht so wertvoll wie die Kits aus Metall. Bei entsprechender Sorgfalt bei der Herstellung ließen sich Details aber filigraner abbilden als zuvor. Außerdem legte Provence Moulage den Bausätzen fein geätzte Metallplatinen bei, die das Erscheinugsbild des fertigen Modells nochmals verfeinern halfen. Allerdings zeigten sich auf der Oberfläche und beim Schleifen auch darunter nicht selten mehr oder weniger große Löcher, die durch Luftblasen verursacht waren und die oft mühevoll gespachtelt und geschliffen werden mußten. S8005Selbst die Bauanleitung hatte Provence Moulage neu gestaltet, denn sie bestand nun lediglich aus einem kleinen Blatt mit Farbfotos des jeweiligen Modells und der Farbangabe des Vorbilds.

Provence Moulage fertigte ebenfalls die Modellform des S 800-Coupès, das gleichermaßen sehr selten ist. In diesem Falle erhielt das von mir gebaute Modell im Maßstab 1:43 die gleiche Farbe, die das damals von uns gefahrene Honda-Auto aufwies, und das meine Frau noch heute wegen seines Sounds und seiner außergewöhnlichen Fahrleistungen in bester Erinnerung behält. Wir gaben den Wagen jedoch nach bereits zwei Jahren in andere Hände, weil die Ersatzteilversorgung 1969/70 keinesfalls gewährleistet war.

S8007Das Modell des S 800-Cabrios realisierte Vitesse in großer Stückzahl, ist damit nicht in solch kleiner Serie aufgelegt worden, wie die zuvor genannten Bausätze. Es trifft die Proportionen des Vorbildes ebenfalls sehr gut und glänzt besonders durch die Wiedergabe verchromter Teile, die bei Fertigung aus dem Bausatz in Eigenarbeit nur höchst selten in solcher Brillanz gelingen. Bei Ebay werden Modelle dieser Art in unterschiedlich Farbgebung antiquarisch zu Preisen zwischen 25-30 Euro angeboten, was einer Verdoppelung des ehemaligen Kaufpreises entspricht. Modelle des Cabrios im Maßstab 1:18 des Anbieters „AutoArt“ werden im Handel z.B. von Model Car World bis heute zum Preis von 119,95 Euro angeboten.

Literatur: Gloor,R.: Alle Autos der 60er Jahre. Stuttgart, 2006, S.195-196.

Diverse Original-Prospekte

 

Abbildungen:

1. Titel eines Prospektes aus 1968

    siehe Beitrag

2. Honda-F1 mit John Surtees

    siehe Beitrag

3. DOHC-Motor mit Keihin-Vergasern

    siehe Beitrag

4. Fertiges Modell auf Original-Verpackung

    siehe Beitrag

5. Bauanleitung von Provence Moulage

    siehe Beitrag

6.1 - 6.4 Modell des S600-Racing

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7. Front eines S800 (Foto 34 Jahre alt)

    siehe Bericht

8.1 -8.3 Modell des S600- Racing von D.Hulme

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9.1-9.4 S800 Cabrio von Vitesse

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10. Verschiedene Aufbauten des S800

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11. Titel eines weiteren S800-Prospektes

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12. Armaturenbrett eines S8oo

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