Leicht skurril und liebenswert...

13. 10. 27
Autor: Josef Krings
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vom Austin-Healey Sprite Mk.1 und einigen Miniaturen.

Abb 1 2Wenn hier von Miniaturen gesprochen wird, ist zunächst zu denken an Modelle des kleinen, oft als Froschauge bezeichneten Autos in den Maßstäben 1:43 bis 1:18. Allerdings war der Abb 1 1 1Sprite aus der Sicht von Len Lord, dem mächtigen Mann bei der British Motor Corporation, den genialen Konstrukteuren Donald bzw. sein Sohn Geoffrey Healey und dem begnadeten Designer Gerry Coker von vornherein als kleiner Sportwagen für junge Leute mit kleinem Geldbeutel geplant. Und so ist dazu im Prospekt, das die Austin Motor Company Ltd. im Jahre 1958 herausgab, zu lesen: „ Das Auto, das so viel für so wenig bietet, nämlich die Leistungsfähigkeit eines Sportwagens zu den Kosten eines Kleinwagens".

In der Tat war und ist der Sprite ein im Unterhalt durchaus günstiges Objekt, verbraucht der Motor, das 948er BMC-A-Triebwerkes etwa 6-7 Liter Superbenzin pro 100 Kilometer. Allerdings lag der Anschaffungspreis damals bei rund 6600 Mark; heute muß man für ein gutes Exemplar einen Betrag jenseits der 18000 Euro-Marke bezahlen. Dennoch sind Ersatzteile noch immer relativ günstig und in ausreichendem Umfang zu beziehen und werden wegen der robusten Struktur von Aufbau und Aggregaten höchst selten benötigt.

Abb 2 1 1Das hatten Donald und Geoffrey Healey auch damals so vorgesehen, denn die tragenden Teile verband man zu einem monocoque-ähnlichen Rückgrat, an das Serienteile aus den BMC-Regalen angebaut waren. Über die robuste Konstruktion ist eine Fußnote überliefert: Die beiden Healeys, als Ingenieure stets auf benutzerfreundliche Auslegung ihrer Entwürfe bedacht, hatten für die mittragenden Seitenschweller eine Materialstärke von 1,22 mm vorgesehen. Da das den BMC-Oberen jedoch sowohl Gesamtgewicht als auch Kosten über Gebühr zu steigern schien, stattete man die ersten Testexemplare mit Schwellerblechen von 0,914 Materialdicke aus. Nach der ersten Erprobungsphase wiesen diese Teile jedoch unübersehbare Verformungen auf, so dass in der Folge reumütig die stärker bemessenen Formteile zum Einsatz kamen. Auch die Aufnahmekästen für die viertelelliptischen Blattfedern sollen in der Folge eine Verstärkung erfahren haben, eine Maßnahme, die zwar wiederum das Gewicht erhöhte, aber dennoch der Gebrauchstüchtigkeit diente. So kann es nicht verwundern, dass von etwa 48000 gebauten Mark 1-Sprites noch eine nicht geringe Menge bis in unsere Tage überkommen ist und für Freude bei Eigentümern und Freunden der Minisportler sorgt.

Abb 3 1 1Mein erstes Modell eines Sprite Mark 1 erwarb ich 1961. Es war ein 1:32er Plastikbausatz der englische Firma Airfix, die bis dahin eher Abb 3 2Flugzeugmodelle im Maßstab 1:72 vertrieben hatte. Damals kaufte man die Bausätze, verpackt in einem kleinen Plastikbeutel inclusive einer kurzen Montageanleitung beim Spielwarenhändler zu einem Gegenwert von 2,- DM.

Im Jahre 1998 erwarb ich ein weiteres Exemplar gleicher Ausführung mit Spritzteilen, die immer noch fast gratfrei in Plastikspritzguß gefertigt waren. Das galt auch für die Reifen, die wie die übrigen Teile aus Plastik bestanden. Sie boten aber, und das ist für Modelle diese Kalibers bis heute keineswegs üblich, einen guten Einblick in den strukturellen Aufbau der Karosserie und der innenliegenden Bauteile. Heute kosten Modelle aus dieser Airfix-Reihe, wie vom TR 4A, Herald oder Jaguar E beim Händler um die 13 Euro.

Zu diesem Preis sind Bausätze von Sprites im 1:43er Maßstab nicht mehr und dazu noch erheblich teurer zu erwerben. Der einzige Anbieter in diesem Bereich ist die Firma K&R Replicas der Brüder Roff aus Hastings, die ein umfangreiches Sortiment u.a. von Froschaugen-Sprites unter der Web – Adresse „www.kandrreplicas.co.uk anbietet. Darunter sind sehr unterschiedliche Ausführungen, wie z.B. die der ersten Auflage mit den berühmt-berüchtigten acht Dots zur Verdeckbefestigung an der Frontscheibe, die beim Original bei Regenwetter zu sturzbachähnlichen Wassereinbrüchen in die Passagierkabine sorgten. Abb 4 2Erwähnenswert sind auch Modelle von Wettbewerbsfahrzeugen, die die Roff-Brüder liefern können. Sie alle sind Metallbausätze, die in der Regel vor der Farbgebung intensiv bearbeitet werden müssen, obwohl der Preis mit 35 – 42 Euro relativ hoch angesiedelt ist. Dieses Preisniveau erreichen Fertigmodelle aus Großserien von Spark, Ixo und anderen Herstellern zwar ebenfalls, sie sind jedoch fertig lackierte, montierte und dekorierte Exemplare aus Resine, die in ihrer Austrahlung den Kit-Modellen aus Kleinserien durchaus ebenbürtig erscheinen. Im Moment lassen sich 1:18er Ausführungen von Revell und solche im Maßstab 1:24 von Gunze lediglich antiquarisch bei Ebay erwerben, bei deren Edition in den 1990er Jahren 30-45 Mark auf den Tisch zu legen waren. Heute verlangt man, zumindest für unbespielte Modelle im Originalkarton um 70 Euro.

Abb 5 1 1Jedenfalls können nicht alleine Fahrzeuge im Maßstab 1:1, sondern auch deren Miniaturen die Herzen der Liebhaber erfreuen und Kunde geben von der Rüstigkeit der formal leicht skurril wirkenden kleinen Automobile namens Austin-Healey Sprite Mk.1.

Literatur:
Clausager,A.D.: Sprites und Midgets. Stuttgart, 1995.
Dymock,E.: Sprites und Midgets. Königswinter, 1991.
Emerson,B.: The Healey Book. London, 2002, S.136-137.

Abbildungen:
1. Titelseite des Prospekts von 1958
2. 1:32er-Modell von Airfix
3. Alter Kit von Airfix in neuer Verpackung
4. Sprite-Modelle in 1:18 und 1:24
5. Mark 1-Sprites im Maßstab 1:43

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