Nachbetrachtung zur 27. Trips-Fahrt

14. 08. 30
Autor: Josef Krings
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Solange die „Trips-Fahrt" alljährlich auf Schloss Loersfeld gastiert, hatte es im Vorfeld noch nie so vage Wettervorhersagen für den Veranstaltungstag gegeben. Entsprechend besorgt schaute deshalb das neue Organisationsteam um Susanne Harke-Schmidt und Rolf Axer auf die voraussichtlichen Wetterbedingungen. Dennoch verliefen die im Freien zu treffenden Vorbereitungen reibungslos ab und wurden nur gelegentlich von starken Regenfällen beeinträchtigt.

Am Tage der Veranstaltung selbst herrschte trockenes Wetter bei meist starker Bewölkung, und nur am Mittag fiel kurzzeitig etwas Nieselregen. So konnten Cabrios und Roadster stets unbehütet die etwa 145 Kilometer lange Strecke unter die Räder nehmen. Insgesamt waren 87 Fahrzeuge zur 27. Auflage der „Trips" gemeldet und akzeptiert worden.


Die Ehrung für das älteste Fahrzeug erhielt ein Austin Seven, der im Jahre 1925 entstanden war, und entsprechend archaisch präsentierte sich das Vehikel mit seinen winzigen Bremstrommeln, den Speichenrädern mit großem Durchmesser und den kleinen, neben der Windschutzscheibe sitzenden Scheinwerfern. Jeanette und Fredi Bossert, die alltags in der Nähe von Zürich leben und wohnen, hatten den kleinen Austin zu Freunden nach Aachen gebracht und begaben sich am Sonntag in der Frühe gemeinsam mit den Defrains und Conrads auf den Weg zum Schloss Loersfeld in Kerpen. Während der Fahrerbesprechung erlebten Jeanette und Fredi weitere Überraschungen, denn sie empfingen nicht nur den zuvor bereits erwähnten Preis, sondern dazu noch den für die betagtesten Teilnehmer und für die mit der weitesten Anreise. Sie lagen damit vor Detlev Larisch und Ursula Klünder, die aus Soest anreisten, auf Loersfeld tafelten, dort auch die Nacht verbrachten und dieses Mal nicht ihren bewährten Ford A nach Kerpen brachten, sondern einen direkten Nachfolger in der Produktionslinie des Herstellers, nämlich einen ab 1932 hergestellten Ford V8, der, so bestätigten die beiden Soester, sich leichter und komfortabler benutzen läßt als der Typ A.


Überhaupt nahmen die bis 1950 hergestellten Automobile etwa 20% des Starterfeldes ein. Darunter waren neben einem riesigen Packard 1001, einem Chrysler 65 und einem Lagonda 2 Liter LC/SM mehrere Austin, Ford A, Morris und MG. Die weiteren Klassen bis letztlich zum Baujahr 1973 wiesen ebenfalls zahlreiche Hochkaräter auf. So bezogen einige Porsche, darunter erstmals der 1957er 356 Speedster von Renate und Erwin Sampels aus Münstereifel, mehrere Mercedes einschließlich der beiden 170er der Päffgens aus Horrem und natürlich etliche Autos aus britischer, französischer oder italienischer Produktion ihre Startboxen im Schlosshof. Aus England stammten z.B. ein früher TVR Grantura, ein AC Greyhound mit Bristol-Triebwerk, ein Lotus Elan-Sprint, viele Triumphs, MGs und selbstverständlich Austin Healeys fast aller Typen. Italien wurde repräsentiert von Fiats, Alfa Romeos und einigen Flaminias von Lancia mit unterschiedlichen Aufbauten renommierter Blechgestalter. Ein Geburtstagskind hielt das Sternenbanner hoch, nämlich der Ford Mustang von Anne Peters und Peter Grösgen. Den Produktionsstandort Deutschland vertraten neben einigen Volkswagen-Käfern in verschiedenen Entwicklungsstufen, etlichen Mercedes-Typen in S-Ausführung, mehreren interessanten Kleinwagen auch das 1700er Glas-Cabrio von Angelika und Hubert-Peter Herter, das mit allen weiteren Schätzen um die Wette glänzte.


Da passte es ausgezeichnet, dass die Route zu Schlössern, Herrensitzen und alten Bauwerken führte, denn das von den Teilnehmern bei der Siegerehrung bereits 2013 ausgewählte Thema lautete: „Denk mal! Baudenkmäler in Kerpen und Umgebung". Man hätte also, um der Thematik zu genügen, durchaus den gesamten Tag auf Loersfeld verweilen können. Doch mit dieser einfachsten Version hatte sich das Organisationsteam nicht zufrieden gegeben. Die Route führte natürlich vorbei an zahlreichen historischen Bauten und sah ein kurzes Verweilen im Bereich herausragender Bauwerke vor. Es muss z.B. ein wahres Vergnügen gewesen sein, den Park von Burg Hemmersbach, ehemals Wohnsitz von Wolfgang Graf Berghe von Trips, durchfahren zu dürfen. Als Besonderheit hatte es sich Reinold Louis, Vorsitzender der „Trips'schen Sportstiftung", an diesem Sonntag zur Aufgabe gemacht, die Fahrtteilnehmer im Rennsport-Museum „Villa Trips" zu begrüßen und zu informieren. Davon, so war zu hören, sei rege Gebrauch gemacht worden.


Auch die Bewirtung auf Gut Bochheim, einem Herrensitz, dessen landwirtschaftliche Flächen seit 1897 von Mitgliedern der Familie Hoffsümmer genutzt und gepflegt werden, fand besonderen Zuspruch. Das Angebot unterbreitete Klaudia Trainer, geborene Hoffsümmer, die mit ihrer Familie seit 2011 auf Bochheim lebt. Sogar die Helfer kamen bei ihrem abendlichen Treffen auf Loersfeld in den Genuss einer besonderen Gabe, hatte Frau Trainer den in Bochheim Tätigen doch eine Stärkung in flüssiger Form zur Weitergabe an die Kolleginnen und Kollegen mitgegeben. Es wird vermutlich das letzte Geschenk von dort an Trips-Fahrt-Schaffende gewesen sein, denn die Besiedlung von Bochheim wird in den kommenden Jahren infolge des fortschreitenden Tagebaues ein jähes Ende erleben müssen.


Weitere Stationen auf dem Weg zu Baudenkmälern waren Schloss Augustusburg in Brühl, Schloss Türnich, Burg Kühlseggen, Burg Konradsheim und Schloss Müddersheim, dessen Besitzer Antonius Freiherr von Geyr, begleitet von Norbert Kurth mit dem zur Familie gehörenden 1929er Chrysler 65 erfolgreich an der Fahrt teilnahm.


Die acht anzufahrenden Gebäude, an denen Kontrollstellen eingerichtet waren, fanden die Teilnehmer fast strafpunktfrei, wie auch die Antworten auf acht Fragen, die, zur Thematik gehörend, in die Bordkarte eingefügt werden mussten. Somit entschieden letztendlich die Ergebnisse aus den Sonderprüfungen die Platzierungen in den Klassen und in der Gesamtwertung. Die geringste Strafpunktzahl aus drei oldtimergerechten Aufgabenstellungen erzielten Ursula Thewissen / Andreas Dreßen auf einem Ford A, Anna und Karl-Heinz Borchers auf dem 1949er MG-YT und Hans Thelen auf der BMW R25/3 aus 1955. Das Ergebnis bestätigt die Idee, die dieser Art von Wettbewerb mit historischen Fahrzeugen zugrunde liegt. Es geht dabei nämlich nie um Rasanz, sondern in erster Linie um eine möglichst virtuose Beherrschung der Technik von automobilen Veteranen. Natürlich gehört stets ein gewisses Maß an Glück dazu, einen Spitzenplatz zu erreichen, trennten doch die ersten Fünfzehn der Gesamtwertung gerade einmal 30 Punkte.


Im Oldtimer- und Club-Park, angesiedelt im südlichen Teil des Loersfelder Parkes ist im Verlauf der vergangenen Jahre eine stetige Aufwärtsentwicklung bezüglich der teilnehmenden Gruppierungen bzw. Vereine zu verzeichnen, die von den Organisatoren erfreut angenommen und in Zukunft behutsam fortentwickelt wird. Neue Teilnehmer waren z.B. die Oldtimerfreunde aus Erftstadt und Bergisch-Gladbach. Sie präsentierten ihre Kostbarkeiten, darunter einen BMW 327/28 im Originalzustand, wie die Langenicher ihre Traktoren, die Red on Tour-Gruppe ihre Ferraris oder die Saab-, Ford- und BMW-Freunde Produkte ihrer favorisierten Marken.


Überdies hatte der Chronist in diesem Jahre das Glück, erstmals von außen auf die Veranstaltung schauen zu können. Er tat dies mit großer Freude befreit von Pflichten gerne und hofft auf große Beteiligung und Fortentwicklung in Bezug auf die 28.Auflage, die ab dem 1.Dezember für den 16.August 2015 ausgeschrieben wird. Dann wird das am 28.Platz der Gesamtwertung landende Team den riesigen Rosengart-Pokal für ein Jahr entführen können. In diesem Jahre gelang der Coup, den 27.Platz zu erfahren, dem Team Torsten Eick/Hans Paul Beginn auf Torstens 1972er MG-B.


Wer sich vor dem August 2015 mit Gleichgesinnten treffen möchte, dem sei z.B. das nächste „Trips-Dinner" am 25. April 2015 empfohlen.


Der Chronist freut sich über eine gelungene, stressfreie Veranstaltung und sagt von Herzen: „Danke".

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